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Erlebnisweg - Wirme im Sauerland

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Der Wirmer Erlebnisweg wurde von den Einwohnern anlässlich des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2010 errichtet.

Der Weg beginnt auf der Wegescheide westlich des Dorfes und führt weiter in östlicher Richtung zum Kohlhagen. Am Weg wird zurzeit auf dreizehn verschiedene Besonderheiten in der Landschaft und im Dorf mit erläuternden Tafeln hingewiesen:
  • Prozessionskreuz der Kohlhagener Fronleichnamsprozession auf der Wegescheide
  • Hohlwegbündel auf der Wegescheide
  • Pinge als Relikt früheren Bergbaus
  • Wasserbehälter der frühesten Wirmer Wasserleitung
  • Marienbildstock
  • Baudenkmal Speicher des ehemaligen Mühlengutes
  • St.-Matthias-Kapelle
  • Natursteinmauer
  • Gedenkkreuz aus der NS-Zeit
  • ehemaliger Meilerplatz
  • Pinge als Relikt früherer Bergbauaktivität
  • Sieben-Schmerzen-Weg zum Wallfahrtsort Kohlhagen
  • Hohlweg als früherer Kirchweg von Wirme nach Kohlhagen und Zubringer für Fuhrleute zum „Kriegerweg“.

Durch den Erlebnisweg setzen sich die Einwohner von Wirme einerseits mit ihrer eigenen Geschichte aktiv auseinander, andererseits geben sie Informationen an Wanderer, die diese Strecke als Zubringerweg zum „Rothaarsteig“ nutzen.

Im folgenden werden die einzelnen Stationen des Erlebnisweges beschrieben:

Prozessionskreuz
 
Auf der Wegescheide zwischen Varste und Wirme ist die dritte Station der Fronleichnamsprozession der Pfarrgemeinde Kohlhagen. Nach einer Frühmesse führt geht die Prozession von der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Marie Heimsuchung nach Brachthausen, wo bei der Kapelle die erste Station ist. Nach einer Frühstückspause geht die Prozession von dort aus entlang dem Brachthauser Sportplatz zum so genannten Silberger Kreuz auf der Kophelle. Dort ist die zweite Station. Hier, auf der Wegescheide hält der Geistliche vor dem Segen eine Predigt. Dann führt die Prozession nach Wirme, wo die vierte Station und  wiederum eine Frühstückspause ist. Nach dieser Pause setzt sich die Prozession fort und geht wieder zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Kohlhagen, in der ein feierliches Hochamt gefeiert wird.

 
 
Hohlwege
 
Die Flurbezeichnung „Wegescheide“ macht deutlich, dass an dieser Stelle Wege aus verschiedenen Richtungen zusammentreffen. Die Bezeichnung selbst ist schon alt und erscheint bereits in Quellen des 18. Jahrhunderts. Damals gab es natürlich noch nicht die Straße zwischen Varste und Wirme in ihrer heutigen Form. Im Gelände sind mehrere Hohlwegreste erkennbar, die als Relikte der historischen Wege anzusehen sind. Auch diese stellten einerseits eine Verbindung zwischen den Ortschaften Varste und Wirme dar. Für die Einwohner aus Varste und Silberg war dieser Weg bis zur Gründung der Pfarrvikarie Silberg-Varste 1912 unter anderem auch Kirchweg zu ihrer Pfarrkirche auf dem Kohlhagen. Andererseits führte über den Höhenrücken von Kophelle und Höhe auch ein Weg, der die Orte Kirchhundem, Hofolpe, Flape und Berghof mit dem südlich gelegenen Siegerland verbanden.

 
 
Pinge
 
Das Gebiet des  Kirchspiels Kohlhagen mit den Orten Brachthausen, Emlinghausen, Silberg, Varste und Wirme, sowie den Höfen Ahe, Breitenbruch, und Mark wurde in früheren Jahrhunderten durch bergbauliche Aktivitäten geprägt. Auch in Wirme deuten die Familiennamen Schmelzer und Schmidt, die seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar sind, auf Metallverarbeitung hin. Es ist zu vermuten, dass hier oberflächliche Erzadern abgebaut wurden, bei denen so genannte Pingen entstanden, Trichterförmige Vertiefungen. In den Wäldern um Wirme herum befinden sich mehrere solcher Pingen.

 
 
 
Marien-Bildstock
 
Der Bildstock befindet sich am früheren Varster Kirchweg. Nach mündlicher Überlieferung wurde er von Theodor Quinke, dem Vorbesitzer des Mühlengutes errichtet. Die Stelle diente als Gebetsstätte für die im Mühlengut wohnhaften Ordensschwestern. Dort zur Erholung weilende Priester beteten hier ihr Brevier. Vormals befand sich in dem Bildstock eine kleine Marien-Statue, die heute verschollen ist. Bei einer Renovierung 1982 wurde ein Hinweis auf die Erbauung gefunden. Auf dem Deckel einer Zigarrenschachtel, der sich unter der Verschalung befand, stehen mit dem Datum 6. März 1933 die Namen Theodor Quinke und Franz Mathey. Quinke war politisch der Zentrumspartei nahe stehend bzw. angehörig, Franz Mathey war Geselle in einer Schreinerei des Ortes. Merkwürdig ist der Name der Zigarrenmarke, auf dessen Deckel die Nachricht geschrieben ist: Der kleine Gernegroß. In Verbindung mit dem Datum 6. März 1933, dem Tag nach der Reichstagswahl, an dem die NSDAP über 44 % der Stimmen erhielt, kann die von Theodor Quinke und Franz Mathey hinterlassene Nachricht als Dokument ihrer Einstellung gegen die Nazis gesehen werden.
 
 

Speicher
 
Der Speicher des Mühlengutes ist eingetragenes Baudenkmal der Gemeinde Kirchhundem. Das Gebäude gehörte früher zum Mühlengut und wurde  1733  erbaut. Es ist eines der ältesten Gebäude des Dorfes und diente zeitweise als Pferdestall und Unterkunft für den Knecht. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges diente es als Wohnung für die evakuierte Familie eines Arztes aus Paderborn.

 
 
 
Kapelle
 
An Stelle eines Vorgängerbaus wurde 1901 die jetzige Kapelle gebaut. Sie hat den heiligen Matthias als Patron, den einzigen Apostel, dessen Grab sich in Deutschland befindet, und zwar in Trier. Die Kapelle ist, anders als ihre Vorgängerin nicht geostet. Das Chor befindet sich an der Nordseite. Die im Westen angebaute Sakristei stammt von 1975. Der oder die Vorgängerkapellen könnten zunächst Hofkapellen des Mühlengutes gewesen sein. Erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammen Rechnungsbücher, die deutlich machen, dass sie dem Dorf bzw. der Pfarrei gehörte. Der Zusammenhang zum Mühlengut ergibt sich aus der örtlichen Nähe. Das Haupthaus des Gutes stand westlich der Kapelle. Das südlich benachbarte Gut „Tigges“ ist als eine Abteilung des Mühlengutes zu betrachten. Der Solstättenname Tigges (hochdeutsch: Matthias) geht auf einen Theis (Matthias) Molner, einen frühen Eigentümer des Gutes zurück. Der Kapellenbau von 1901 wurde finanziell durch den in Lenne wirkenden Pfarrer Ferdinand Vormberg unterstützt, der aus dem Mühlengut stammte.

 
 
 
Trockenmauer
 
Die Trockenmauer wurde in den 1950er Jahren als Abstützung für den Hang zur Straße nach Kohlhagen errichtet. Bei den Bruchsteinen handelt es sich um Schiefer (?). Die senkrechte Vermauerung ist nur noch an wenigen Orten zu beobachten (z.B. in Lenne/Schmallenberg). Die Trockenmauer bietet Lebensraum für unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Sie ist deshalb ein Beitrag zur ökologischen Gestaltung des dörflichen Lebensraumes.

 
 
 
Streuobstwiese
 
Eine der wenigen erhaltenen Streuobstwiesen befindet sich hier am Westhang des Kohlhagen. Sie ist ein Dokument der bäuerlichen Lebensweise und Nahrungsmittelversorgung des 20. Jahrhunderts.

 
 
Kreuz
 
Das steinerne Kreuz am Kirchweg von Wirme nach Kohlhagen wurde zwischen 1933 und 1939 von Theodor Quinke, dem ehemaligen Besitzer des Wirmer Mühlengutes, errichtet. Bemerkenswert ist hier die Inschrift in der Frontplatte: Im Kreuz ist Heil. Es darf davon ausgegangen werden, dass Quinke hier einen bewussten Gegensatz zu den ideologischen Heilrufen des Naziregimes setzen wollte.

 
 
Meilerplatz
 
Eine ältere Bezeichnung des heute „Kohlhagen“ genannten Berges lautet „Havescheidt“. Der Name Kohlhagen geht wahrscheinlich auf das Handwerk der Köhlerei zurück, das hier seit dem ausgehenden Mittelalter betrieben worden ist. Im Gelände hat sich an dieser Stelle ein Meilerplatz erhalten, an dem früher Holz verkohlt worden ist. Die Holzkohle benötigte man für die Erzverhüttung und Eisenverarbeitung. Oberhalb des Meilerplatzes befindet sich eine ausgeprägte Pinge, die vermuten lässt, dass an dieser Stelle in geringem Maße auch nach Erz geschürft worden ist.

 
 
 
Sieben-Schmerzen-Weg
 
Hier handelt es sich um sieben Stationen, die 1958 durch den Heinrich Hüpper aus Wirme an Stelle der älteren verwitterten hölzernen Stationen errichtet worden sind. Bei den sieben Stationen ist das Leid der Gottesmutter Maria dargestellt: 1. Die Weissagung des Simeon, 2. Die Flucht nach Ägypten, 3. Die Suche im Tempel, 4. Die Begegnung am Kreuzweg Jesu, 5. Jesus stirbt am Kreuz, 6. Der tote Jesus liegt auf dem Schoß seiner Mutter, 7. Jesus wird ins Grab gelegt. Das Fest der Sieben Schmerzen Mariens wurde 1814 von Papst Pius VII. eingeführt und wird am 15. September gefeiert. Die Stationen befinden sich in dem früheren Kirchweg von Wirme nach Kohlhagen, der hier als Hohlweg besonders gut ausgeprägt ist.
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